Interview mit Mike Blankenburg zum Dead Ends Award

Interview mit Mike Blankenburg zum Dead Ends Award

Im House of Horrors (9.-11.11.2018) wird dieses Jahr erstmalig der Dead Ends Award verliehen. Da ich selbst das Vergnügen habe, Teil der Jury zu sein, kann ich Euch schon verraten, das wird eine spannende und zuweilen blutige, aber in jedem Fall unterhaltsame Angelegenheit. Hier ist ein kleines Interview mit El Presidente Mike Blankenburg.

Mike, du bist Herausgeber, Autor und Mastermind des Dead Ends Magazin. Für alle die, deine Publikation vielleicht nicht kennen oder noch nicht gelesen haben. Was ist deine Mission?

In erster Linie geht es mir und den daran beteiligten Redakteuren um den Spaß an der Sache. Bei diesem Projekt geht es nicht darum, am Ende Gewinn zu erwirtschaften, sondern den Lesern mit jeder Ausgabe interessanten Lesestoff zu bieten. Wir sind Filmbegeisterte und geben diese Begeisterung weiter und so kann ich guten Gewissens sagen, dass in der DEAD ENDS jede Menge Leidenschaft und Herzblut stecken. In erster Linie geht es darum, dem Nischen-Programm zu huldigen, Titel kleinerer Labels vorzustellen, die sonst nirgends berücksichtigt werden und die vielleicht irgendwann mal zufällig bei Amazon entdeckt werden. Kult- und Klassiker, Trash- und B-Movies, Low Budget und auch etwas Erotik. Der Mainstream spielt eine untergeordnetere Rolle. Außerdem biete ich dem deutschen Independentfilm mit meinem Magazin eine Plattform. Welches Genre wir auch immer in Specials oder in unseren einfachen Besprechungen abhandeln – vorrangig geht es um eine neutrale Vorstellung, bei der wir unsere Eindrücke einfließen lassen, aber weniger darum, „schlechte“ Filme zu zerreißen. Wir können auch differenzieren zwischen „schlecht“ und Trash ohne diese Stilrichtung pauschal als „schlechteste Filme aller Zeiten“ zu titulieren. Da die Geschmäcker verschieden sind, Filme individuell auf das Publikum einwirken, wird es in den seltensten Fällen bei uns zu einer Wertung kommen. Dies überlassen wir dem Zuschauer. Nur wenn etwas unwiderruflich und in allen Belangen schlecht ist, nehmen wir uns das Recht heraus, das Kind auch so beim Namen zu nennen.

Auf dem diesjährigen House of Horrors wird erstmalig der Dead Ends Award verliehen. Wie kam es zu dieser Idee? Was steckt dahinter?

Die Idee schwebte mir zeitgleich im Kopf herum als Thomas Hartz mich als Veranstalter des House Of Horrors ansprach, ob ich nicht zu so etwas Lust hätte. Da ich, wenn ich eine Idee habe, diese sofort in meinem Kopf umsetze, hatte ich in wenigen Minuten das Konzept dafür zusammen und natürlich auch Ideen, welche Filme ich dort unbedingt zeigen wollen würde.

Was waren die Kriterien für die Aufnahme eines Films in den Wettbewerb?

Das DEAD ENDS-Magazin ist mittlerweile im vierten Jahr. Das heißt, alle deutschsprachigen oder zumindest von einem deutschen Team gedrehten Filme zwischen 2015 bis heute, hatten die Möglichkeit, sich dem Wettbewerb zu stellen. So hatte ich durch zahlreiche Filmbesprechungen für mich bereits eine kleine Auswahl parat, der Rest lief über Bewerbungen.

Auf welche Filme darf sich das Publikum freuen?

Mir ging es darum, die Bandbreite und Genre-Vielfalt aufzuzeigen, die der deutsche Independent-Film zu bieten hat. Und so ist das Genre-Spektrum sehr breit gefächert. Das House Of Horrors ist zwar eine Horror-Convention, es wäre aber dem Independentfilm nicht gerecht geworden, sich ausschließlich auf Wald- und Wiesen-Horror und Splatter zu fokussieren. Natürlich gibt es mit KÖNIG DER KANNIBALEN, THE CORPSE GRINDERS und SCARS OF XAVIER auch Filme, in denen das Blut spritzt, wir haben aber auch Hommagen an das italienische Sexploitation-Kino (GELOSIA) und den Giallo ebenso im Angebot wie einen Anthologiefilm (TRYPTICHON OF FEAR), einen Western (IN SEINEN VENEN FLIESST BLEI) und mit DARK CIRCUS einen stilistisch sehr interessanten Film um Fetisch, Selbstfindung und Transformation. Insgesamt sind es 12 Beiträge, sowohl Kurz- als auch Langfilme. Also für Unterhaltung ist auf der Convention gesorgt.

Der Preis wird ja von einer Jury vergeben. Wie setzt diese sich zusammen?

Zunächst wollte ich den „Hauptvorsitz“ der Jury übernehmen, habe mich aber im Verlauf des Wettbewerbs dazu entschieden, meinen fünf Jury-Kollegen die Arbeit zu überlassen und mich aus der Wertung herauszuhalten, um vorsorglich eventuellen Diskussionsstoff vorzubeugen, meine Wertung ginge eventuell auf Sympathien zurück da ich auch einige der Filmemacher persönlich kenne. Wir wissen, wie die Szene tickt und durch mögliche Anspielungen oder Vorhaltungen möchte ich mir dieses Event nicht madig machen lassen, deshalb präsentiere ich ausschließlich anstatt Punkte zu vergeben. Bleiben unter´m Strich noch 5 Jury-Mitglieder, die sich aus Bloggern, Regisseuren und einem Mitglied der GBUS-Gruppe zusammensetzt, die unter anderem den Underground/Independentfilm supported. Ich denke, das ist eine ausgewogene Mischung von Leuten, die ganz genau wissen, worauf sie zu achten haben und sie sind auch von mir entsprechend instruiert worden, dass beispielsweise der persönliche Geschmack außen vor bleibt und die Filme aufgrund ihrer unterschiedlichen Qualitäten und Genres auch nicht miteinander verglichen werden sollen. Jeder Film steht für sich und soll als solcher in seiner Gesamtheit bewertet werden.

Neben dem Preis der Jury wird es ja auch noch einen Publikumspreis geben. Wie wird dieser ermittelt?

Durch die Zuschauer vor Ort, die – wie bei jeder Wahl – ihr Kreuzchen auf einem Stimmzettel abgeben können.

Preise sind neben Ruhm und Ehre ja auch was zum Anfassen und etwas, das man sich in die Vitrine oder ins Mediabook-Regal stellen kann. Wie sieht der Award denn aus? Hast du ein vielleicht ein Foto für uns?

Wenn er nach der Produktion so aussieht wie ich es mir jetzt vorstelle, dann ist das schon ein hübsches Teil. Aber es soll auch eine Überraschung sein, deshalb werde ich zu diesem Zeitpunkt nicht ins Detail gehen.

Ist diese erstmalige Verleihung des Dead Ends Award die Geburtsstunde einer schönen neuen Tradition? Wird es ihn jedes Jahr geben?

Das hängt in erster Linie von der Resonanz des Publikums ab, weniger von den Filmemachern, denn ich habe so viele Anfragen erhalten und musste auch Absagen erteilen, dass ich schon jetzt das Programm für einen weiteren Award komplett zusammen hätte. Das ganze ist aber auch mit einer Menge Zeit und Aufwand verbunden, da ich mir einiges habe einfallen lassen, um mit nichts an Budget trotzdem so etwas wie Festival- oder Kino-Atmosphäre zu schaffen. Wenn diese ganzen Bemühungen, die im Vorfeld waren, auch honoriert werden, in dem nicht nur das Publikum da ist, sondern auch mitmacht, bin ich gerne bereit, in die Verlängerung zu gehen. Allerdings bin ich auch jemand, der gerne das vorherige toppt und da wird man irgendwann an seine Grenzen kommen. Der Anspruch ist da, mit jeder Ausgabe des Magazins und dann auch mit jedem Award immer besser zu werden, und das ist eine Herausforderung, der ich mich stellen würde, die aber auch immer schwieriger werden wird. Warten wir einfach mal ab, wie die Premiere läuft.