Dead Ends Award 2018 – die Filme

Dead Ends Award 2018 – die Filme

Wie ich bereits in meinem letzten Artikel angedroht habe, schreibe ich noch etwas zu den zwölf nominierten Filmen beim ersten Dead Ends Award. Es war gar nicht so leicht die Filme zu bewerten, denn sie waren alle recht unterschiedlich – in Länge, Genre und Ausführung. Bei meiner Bewertung habe ich versucht meine eigenen Vorlieben hinten anzustellen und habe mehr auf die Ideen in den Filmen und deren technische Umsetzung geschaut. Natürlich spielte für mich auch die Leistung der Akteure vor der Kamera eine Rolle.
Auch wenn mir klar ist, dass mancher der Filmemacher, ob eines sehr eingeschränkten Budgets, mit Laiendarstellern arbeiten musste. Aber wenn eine nicht glaubwürdige Darstellung dazu führte, dass ich aus dem Film fiel, schmälerte das natürlich den Genuss. Und ein bisschen spielte es dann doch auch eine Rolle, was ich mag und weniger mag. Aber wie sagt man doch so schön, die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden und nur weil ich persönlich mit dem ein oder anderem Film nicht viel anzufangen weiß, macht das ihn nicht automatisch zu einem schlechten Film. Ich gehe die Filme jetzt einfach mal alphabetisch durch.

Los geht es mit Antithese, das war auch tatsächlich der erste Film der Wettbewerbsauswahl, den ich mir anschaute. Der Schriftsteller Stephen fährt mit seiner Freundin Mia in eine einsame Berghütte, er will dort an seinem neuen Buch arbeiten, nach eigener Aussage im einleitenden Offtext des Films, kann er das in der Stadt nicht. Zufällig beschwört Stephen eine dämonische Macht herauf, die von Mia Besitz ergreift.

Der Filme wollte bei meiner Erstsichtung nicht so richtig zünden, was vor allem daran lag, dass ich dem Protagonisten den Schriftsteller nicht ganz abnehmen konnte und die Dialoge etwas vorgetragen wirkten. Auch die etwas absurd romantische Vorstellung von einem Schriftsteller, der nur in Ruhe und Abgeschiedenheit schreiben kann, ist wenig glaubhaft. Wer mit dem Schreiben professionell sein Geld verdient, kann das überall. Ginge das nur für ein paar Wochen im Urlaub, so hätte dieser Schriftsteller einen ausgesprochen mageren Output.
Manche Schwächen sind sicherlich durch die eingeschränkten Produktionsmittel bedingt, so wirkt die einsame Hütte eben wie ein Ferienhaus und bei weitem nicht so einsam, wie man sie sich wünschen würde. Dann das Vorlesen aus dem alten Buch (woher es kommt, bleibt ungeklärt). Natürlich wird damit neben einem Dämonen vor allem die Erinnerung an Evil Dead heraufbeschworen, was den Hammer ziemlich hoch hängt… zu hoch, denn die geweckte Erwartungshaltung kann der Film dann unmöglich einlösen. Eine Traumsequenz ist wirklich reizvoll und ein schönes Set-Piece, bleibt aber im Kontext des Films ein Fremdkörper.

Bei einer zweiten Sichtung, nun befreit von meiner Erwartungshaltung, hat der Film dann aber deutlich gewonnen und, ob tatsächlich intendiert oder nicht, ein paar interessante Fragen aufgeworfen. Die Verantwortung des Autors; was schwingt alles mit, wenn wir von Liebe sprechen. Ist Stephen gar latent passiv aggressiv gegenüber seiner Freundin? Die Kameraarbeit ist recht solide besonders die Naturaufnahmen möchte ich noch mal herausstellen. Die Effekte sind gut und überzeugend umgesetzt. Auf dem HOH hatte ich dann Gelegenheit mit Jonas Sommer zu sprechen und etwas über die Produktionsbedingungen zu erfahren, was im Nachhinein einiges klarer machte, warum z.B. keiner der Protagonisten in der Traumszene auftaucht. Einen Film zu machen, ist ein Abenteuer, und wie eine Schiffsreise. Am Anfang hofft man auf eine schöne Fahrt, dann wird es sehr turbulent und man versucht sein Schiff durch einen heraufziehenden Orkan zu navigieren. Am Ende ist man dann nur noch froh, das rettende Ufer mit heiler Haut erreicht zu haben und den Film zu Ende gebracht zu haben.

The Corpse Grinders von Timo Rose ist ein Remake des gleichnamigen Films von Ted V. Mikels, in Deutschland kennt man ihn unter dem Titel Die Leichenmühle. Der Film hat wohl eine kleine Fangemeinde, aber traut man den Scores der IMDb (3,7/10) oder bei Rotten Tomatos (17% 6 25%) scheint das Original, welches ich nicht gesehen habe, kein Meisterwerk zu sein. Wieso also davon ein Remake machen? Rose war mit dem inzwischen verstorbenen Mikels befreundet und das ganze war zunächst eine aus einem Scherz geborene Schnapsidee, die sich dann aber doch immer weiter konkretisierte und schließlich zu einem Film wurde. Rose geht darin aber einen eigenen Weg. So gibt es bei ihm keine mörderischen Katzen. Alle Gewalt geht in seinem Film von der Hauptfigur Landau aus, eindringlich von Max Evans porträtiert. Seine Darstellung des Psychopathen beschert uns wirklich einen dieser Men we love to hate. Der Film ist dreckig und sehr gewalttätig, also wirklich nichts für schwache Nerven. An einer sehr extremen Szene werden sich die Geister sicherlich scheiden. Die Frage ist, ob diese so wirklich notwendig ist quasi als Point of no return und Landaus Abschied von jeder Menschlichkeit. Oder treffen wir hier auf ein Set-Piece, das ein Talking-Piece sein will? Eine jetzt-hauen-wir-mal-so-richtig-auf-die Kacke ultra-brutale Szene, die gerne besprochen sein will? Für meinen persönlichen Geschmack war Corpse Grinders eine Spur zu nihilistisch.

Dark Circus von Julia Ostertag erzählt die Geschichte von Johanna, die ihren Job verliert und in eine rätselhafte Parallelwelt abtaucht. Extrem gut hat mir hier die Kameraarbeit gefallen. Auch sonst ein sehr atmosphärischer und vor allem auch ein origineller Film. Etwas anderes, etwa eigenes, von dem ich nicht unbedingt behaupten möchte, dass ich alles verstanden habe, aber der Film entfaltet schon eine gewisse Sogwirkung und klingt noch lange nach. Zugegeben, zuweilen wirkt er etwas prätentiös, aber auf der anderen Seite macht er uns eine Menge Angebote sich mit ihm auseinanderzusetzen. Mittlerweile habe ich den Film viermal gesehen. Er war neben Scars of Xavier einer meiner Favoriten der Filmauswahl. Deshalb werde ich diesen Film auch noch mal ausführlicher gesondert besprechen.


Euro Hangebruchs Durch seine Venen fließt Blei ist fast schon ein griechisches Drama im Gewand eines Westerns. Formal finde ich den Film sehr gelungen, die Sets, die Typen,Kadrierung Licht und Musik erinnern stark an die Italo-Westen . Dieser Stil wird hier sehr gut reproduziert, Die Schauspieler finde ich allesamt absolut überzeugend und sehr passend besetzt. Etwas störend wirkte auf mich nur der Ruhrpott-Slang des Barkeepers. Der Film hat viel zu erzählen muss sich aber, wahrscheinlich ob des schmalen Budgets, auf nur drei Locations beschränken. So bleibt dann nichts weiter übrig als die Geschichte in Dia- und Monologen zu erzählen, was ihn für einen Western ungeheuer geschwätzig macht, ganz im Gegensatz zu den wortkargen Vorbildern.

#funnyFACE von Marcel Walz beginnt als Urlaubsvideo eines jungen Paares auf Hochzeitsreise. Dieses Found Footage Material wirkt zwar recht authentisch und gut beobachtet, war dann aber zu lang und unterm Strich auch etwas langweilig (was ja auch für echte Urlaubsvideos gilt, insofern natürlich gut getroffen). Das mit den eingeblendeten Hashtags habe ich nicht verstanden. Woher kamen die? Wer setzte die? Das Paar wird von einem mörderischen Stalker mit venezianischer Karnevalsmaske bedroht. In der zweiten Hälfte gelingt es dem Film dann eine solide Spannung aufzubauen. Der Found Footage Stil wird dann am Ende nicht durchgehalten, wobei sich jedoch formal nichts änderte und weiter viel mit der Handkamera gearbeitet wurde. Die Kamera macht sich also sichtbar ohne jedoch ein handelndes Subjekt zu haben, was Irritation schafft. Am Ende gibt es noch einen kleinen Appendix und eine After Credits Szene über die ich inhaltlich nichts verraten will, um nicht zu spoilern. Leider wirkten beide Szenen m.E. nicht sehr glaubwürdig und etwas aufgesetzt.

Wir befinden uns in Gelosia in einem Sexploitation Film, entstanden unter der Regie von Alberto Barone.
Eine Frau wurde bei einem Unfall schwer verletzt und entstellt. Ihr Mann, der betrunken den Unfall verursachte, verliert das Interesse an ihr und sucht sexuelle Abenteuer. Sein Verhalten bleibt natürlich nicht ungestraft…
Die erste Szene im Krankenhaus zog mich gleich in den Film und weckte mein Interesse. So soll es sein! Im weiteren Verlauf fiel ich dann aber raus. Will man wirklich all die Sex-Abenteuer eines versoffenen Hurenbocks sehen? Aber das ist vielleicht auch Geschmackssache. Formal überzeugt der Film durchaus. Auch die Darsteller sind gut. Da aber keiner wirklich sympathisch wird, bleibt man letztlich außen vor und manches erscheint nicht ganz glaubwürdig. Und was haben die Independents immer nur mit Schwänzen?

Hour of the Witch. Der Film von Sascha Goldbach hatte es leider nicht rechtzeitig in die Jurywertung geschafft. Und auch vor Ort im House of Horrors war dann einiges verhext. Ich kam eine Viertelstunde zu spät, weil sich im Ablauf der Panels verschoben hatte. Dann hatte der Film mit technischen Mängeln bei der Tonwiedergabe zu kämpfen. Was ich an Bildern sah, hat mir gut gefallen. Aber um letztlich etwas über den Film sagen zu können, müsste ich ihn natürlich mal komplett und unter besseren technischen Voraussetzungen sehen.

Der König der Kannibalen. Eine Inhaltsangabe ist hier schwierig, irgendwas mit Kannibalen im Wald. Wir befinden uns in einem Fun-Splatter Film von Crippler Criss und  Master W.
Die Jungs trauen sich was und nehmen sich selbst und das ganze Unterfangen natürlich nicht bierernst. Sie machen da einfach ihr Ding. Man entdeckt auch immer wieder richtig tolle Einstellungen und natürlich auch Bezüge zu den Klassikern des Subgenres. Der Film lebt von seiner permanenten Übertreibung. Wenn Blut spritzt und zwei Liter realistisch wären, werden hier garantiert gleich 20 Liter verspritzt. Das alles würde wahrscheinlich einen Kurzfilm tragen, aber bei einer Laufzeit von zwei Stunden und relativer Handlungsarmut führt der Film aber letztlich ins Leere und wirkt mit fortschreitender Dauer etwas ermüdend. Nur schwer zu ertragen war das permanente Overacting der Darsteller, was den Film für mich ungeheuer anstrengend machte, Dieses ständige Rumgebölke und Grimassieren lag jenseits meiner Schmerzgrenze.

Das Moormonster 2 von Günther, Helmut und Monika Brandl ist die Fortsetzung von das Moormonster, den ich nicht gesehen habe. Aber der zweite Film beginnt mit einer kurzen und prägnanten Zusammenfassung seines Vorgängers. Die Handlung des Films ist nebensächlich. Er nimmt sich selbst zu keiner Sekunde ernst und will nichts anderes sein als ausufernder unterhaltsamer Trash. Dabei werden fleißig alle möglichen Filme zitiert und durch den Kakao gezogen, Oder zumindest versuchen die Filmemacher das. Vorbilder sind hier Filme wie Hot Shots, die Scary Movie Reihe und Monthy Pythons Flying Circus. Der Humor zündet indes nicht immer und liegt oft näher an Klimbim als an den Monthy Pythons. Komödien sind so ziemlich das schwerste Genre. Respekt, wer sich daran versucht. Ich habe den Film zuhause allein vor meinem Monitor gesehen und ich war vollkommen nüchtern. Für diesen Film sind das sicher erschwerte Ausgangsvoraussetzungen. Besser schaut man sich ihn in der Gruppe an, dabei leicht alkoholisiert oder besser noch – gut bekifft mit dem Zeug, das einem einen Gibbel-Flash beschert.

My Possessed Sister ist ein netter kleiner Amateurfilm und wie der Titel bereits verrät, geht es m eine besessene Schwester. Natürlich hat er seine Schwächen, ein sehr schmales Budget, Laiendarsteller, technische Mängel usw.. Was für den Film spricht ist, das Pascal Bornkessel seinen Film in der eigenen so ganz normalen Alltagswelt einordnet, keine Location die behauptet mehr oder etwas anderes zu sein. Ich habe viel Respekt für die Arbeit und den Enthusiasmus der Beteiligten von dem sich sicher auch etwas auf das Publikum überträgt, denn sich erhielt der Film nicht von ungefähr den Dead Ends Award Publikumspreis. Eine kleine Randbemerkung: in einigen Besprechungen wurde dem Film ein unfreiwilliger Humor unterstellt. Was da so betrachtet wird, war aber tatsächlich durchaus komisch gemeint, erzählte mir Pascal im House of Horrors. Da sieht man mal wieder, wie schnell man etwas unterschätzen kann.

In Scars of Xavier von Kai E. Bogatzki folgen wir den Taten eines Serienkillers durch die Straßen Prags. Rückblenden erzählen von seiner Kindheit unter der Fuchtel einer dominanten und manipulativen Mutter.
Der Film erfindet sicherlich nicht das Rad neu, aber er überzeugt auf allen Ebenen, Darsteller, Sets, Kamera, Schnitt, Musik. Konsequent bleibt er bei seinem Protagonisten und Xavier Darsteller Marc Engel liefert eine beeindruckende Performance ab. Die Revers-Szene in Zeitlupe ist mit Sicherheit das SetPiece des Films. Gut gefällt mir auch, dass der Film nicht viel Worte macht und sich hier gerade auf das notwendigste beschränkt und sich dadurch wohltuend von so manch einer sehr geschwätzigen deutschen Produktion abhebt. Den Award der Jury hat Scars of Xavier verdient gewonnen.

Triptychon of Fear Als Portmento Film aus drei Kurzfilmen bestehend, geht es dem Film nicht anders als den klassischen Vertretern dieser Gattung von den Drei Gesichtern der Furcht bis Asylum in jedem dieser Omnibus Filme wird es einen Film geben, den man schwächer findet und einen den man besonders schätzt.

Im vorliegenden Beispiel ist der erste und längste Film Would you go to hell for me? von El Gore
auch der schwächste.
Erzählt wird hier die Geschichte eines Killer-Junkie-Pärchens, dass nach einem Unfall in der Hölle landet. Der Film hat sich einfach zu viel vorgenommen und scheitert am Budget.
Auch hier nehme ich den Hauptdarstellern ihre Rollen nicht ganz ab. Die Wohnung ist viel zu normal, bei mörderischen Junkies hätte ich ein heruntergekommenes Set erwartet und keine stinknormale Wohnung. Dann die Torture Szenen… die Hölle als Sado-Folterkeller? Na ja, einfach schon zu oft gesehen. Interessant wäre es gewesen, weg von solchen Klischees zu gehen und diesen Aspekt der Geschichte vollkommen gegen den Strich zu bürsten.

I Fear von Cedric Endress macht dann vieles richtig. Ein junger Mann allein auf einem Dachboden, bedroht von einem nicht greifbaren Etwas. Die Beschränkung auf einen Ort, tut der Story gut und ist im Sinne eines sicherlich knappen Budgets, genau die richtige Entscheidung. Auch die Auflösung in der Schlusspointe, war so nicht vorhersehbar. Umsetzung, Ausstattung, Kameraarbeit, alles sehr atmosphärisch.

Lo specchio di colore giallo dell´anima von El Gore ist eine hübsche Hommage an den Giallo. Der Film arrangiert gekonnt die Versatzstücke der Gialli – alle diese ikonischen Bilder und Einzelheiten, die exemplarisch für das Genre stehen, von den schwarzen Handschuhen über aufblitzende Rasiermesser, farbigem Licht und der unvermeidlichen Flasche J&B ist alles da. Als bekennender Gialli Verehrer hatte ich großen Spaß an dieser Ehrerbietung, die weniger Geschichte, als ein Destillat der liebgewonnenen Klischees ist. Und wie sagte mein seliger Filmdozent doch damals so treffend. Was ist denn das Klischee anderes als die Verdichtung der Wahrheit.

Das waren also die Filme des ersten Dead Ends Awards . Was die Präsentation betrifft, lässt sich sicher noch so einiges verbessern. Dazu wird es in der nächsten Dead Ends dann auch noch eine ausführliche Manöverkritik geben.